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Schönberg im Zentrum

Das 6. Philharmonische Konzert war von orchestraler Üppigkeit, Wagner-Klängen sowie Lied-Überraschungen in der gekonnten Interpretation von Madelaine Vogt und unter dem Dirigat von GMD Naoshi Takahashi gekennzeichnet.

Wer sich am vergangenen Montag vielleicht etwas unsicher, weil voreingenommen in das 6. Philharmonische Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie Aue unter der Leitung von GMD Naoshi Takahashi begab, weil Musik vom Meister der Wiener atonalen Schule und dem Zwölftonmusiker Arnold Schönberg auf dem Programm stand, erlebte eine Überraschung. Was in den sechs Orchesterliedern zu hören war, erinnerte stark an Musik von Gustav Mahler, Richard Strauß und mitunter sogar an Richard Wagner. Spätromantische Musik also, die noch kaum etwas vom späteren Schönberg hörbar machte.
Das Orchester, dass schon zur vorab gespielten Tannhäuser-Ouvertüre an die 50 Musiker vereinte, wurde bei Schönberg sogar noch verstärkt. Von daher war es nicht nur eine angenehme künstlerische Leistung der Solistin Madelaine Vogt, sondern auch eine Kraftanstrengung gegen diesen gewaltigen Klangkörper anzusingen.
6. Sinfoniekonzert 2017 (Andere)

Die Lieder sind durchweg stimmlich sehr anspruchsvoll und verlangen eine intensive Gestaltungskraft. Beides wurde von Frau Vogt sehr ansprechend dargeboten; die Lieder bildeten das Zentrum und den Höhepunkt des Konzertabends.
Warum Schönberg bei seinen Liedern eine dermaßen üppige Prachtentfaltung des Orchesters anstrebte, wirkt teilweise unlogisch, sogar diametral zum Inhalt der Früh-Renaissance-Texte eine Francesco Petrarca, bei denen es sich schließlich um Liebes-Sonette handelt, die er nicht nur seiner verehrten Laura widmete. Schönberg hat hier nicht nur keine adäquate Liedform gestaltet, sondern auch eine Dramatik installiert, die sowohl der Renaissance-Romantik als auch der des frühen
20. Jahrhunderts widerspricht. Madeleine Vogt (Andere)
Wenn auch Madelaine Vogt (Foto) an geeigneten Stellen mit einem sehr angenehmen Piano ihre gestalterischen Emotionen und ihre stimmliche Ausdruckskraft in die Lieder einbrachte, so wurde doch zu oft durch den wuchtigen Orchesterklang - speziell in den beiden letzten Petraca-Liedern – der lyrische Inhalt der Texte musikalisch konterkariert und die Textverständlichkeit in Mitleidenschaft gezogen.
Mag sein, dass dahinter eine Schönbergsche Absicht zu entdecken wäre, eine Anbieterung an den auch von Wagner installierten Zeitgeschmack, oder gar eine Vorahnung auf den späteren keineswegs leisen Zwölftöner. Wie auch immer: Für die gelungene Interpretation dieser anspruchsvollen Leider durch Frau Madelaine Vogt bekam sie viel berechtigten Applaus.

Nach der Pause ging es mit Anton Bruckners 3. Sinfonie d-moll üppig weiter. Schließlich hat der österreichische Komponist dieses Werk dem „unerreichbaren, weltberühmten und erhabenen Meister der Dicht- und Tonkunst“ Richard Wagner zugeeignet.
Eine Fülle von Themen finden in dieser Sinfonie Verarbeitung, sie gehen von lyrisch-kraftvollen Naturverneigungen, über österreich-bäuerliche Folklore bis hin zu schwül-religiösen Motiven, die an Orgelpassagen erinnern, die ebenfalls aus seiner Feder stammen. Es ist bei Bruckner schwierig, ein differenziertes musikalisches Angebot hinsichtlich der Orchesterdynamik zu unterbreiten. Außer im Adagio des zweiten Satzes ist in dieser Sinfonie von einem Piano oder gar Pianissimo kaum die Rede. Von daher war es ein gewaltiges musikalisches Fest für das gut studierte Orchester – großes Lob dem Holz und Blech! - und noch mehr für seinen temperamentvollen Dirigenten, dieser schwülstigen Musik samt tänzerischen Einsprengseln mit großer Leidenschaft alles abzugewinnen. Diesmal zerbrach zwar dabei nicht - wie im Neujahrskonzert - der Dirigentenstab, vielmehr flog die Partitur in hohem Bogen vom Dirgentenpult...
Somit war diese Interpretation enorm nah bei Bruckner und seinem hochverehrten Richard Wagner und dessen Idee vom Gesamtkunstwerk, der aber gerade mit dieser einst vom Uraufführungs-Misserfolg begleiteten Sinfonie den Bruch mit dem österreichischen Meister herbeiführte.

red.

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