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THEATER ABC

 

 




Ökumenisches Konzert

(2.11.2014) Anlässlich des 170. Kirchweihfestes der Katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Annaberg-Buchholz veranstaltete die Gemeinde, der Kirchen- und Kinderchor gemeinsam mit Mitgliedern des Annaberger Theaters ein berührendes Konzert, das sowohl in der Programmauswahl als auch seitens der Besucherstruktur als wunderbar ökumenisch im besten Sinne des Wortes bezeichnet werden kann.
Kirchenkonzert Kath.


Zum Festkonzert am Allerheiligen-Tag und aus Anlass des 170. Geburtstages der Katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Annaberg-Buchholz konnte Pfarrer Schumann ein sehr gemischtes Publikum in seiner übervollen Kirche begrüßen. Neben den Mitgliedern der Diaspora-Gemeinde waren zahlreiche Protestanten und nicht wenige Konfessionslose gekommen, um einem ausgesprochen anspruchsvollem und hervorragend interpretiertem Konzert unter der engagierten und umsichtigen Leitung von Kantor Benno Tietz beizuwohnen. So ökumenisch wie die Zuhörerschaft, war auch das Programm zusammengestellt: Neben katholischen Komponisten war auch Musik von Protestanten, Juden, Freimaurern und Konvertiten zu hören. Sehr kraftvoll gesungen vom kleinen gemischten Kirchenchor u.a. Passagen aus der Deutschen Schubert-Messe, dann wieder ausdrucksstark Mozarts „Ave verum“ oder im Zusammenklang mit dem agilen Kinderchor (der mit Musical-Melodie eine Art Kirchentags-Laune verbreitete) Spiritual und Gospel als Abschluss - und dann auch endlich beklatschter Höhepunkt des Konzertes. Fauser - Kirchenkonzert
Da Pfarrer Schumann in seinen Begrüßungsworten dazu aufforderte, in der Musik die Ruhepunkt zu suchen, um damit dem Allerheiligsten besser lauschen zu können, traute sich dann auch niemand mehr, im ersten Teil des bewegenden Konzertes die Hände zu rühren. Obwohl dies an mehreren Stellen – auch zum Lobe des Höchsten, Allerheiligsten oder Schöpfer aller Welten – durchaus angebracht gewesen wäre. So unbedingt bei der Arie „Sei stille dem Herrn“ aus Mendelssohns Elias-Oratorium, die in erhabener Schönheit von Therese Fauser (Foto) mit ihrem warm klingenden Mezzosopran von der Chorempore gesungen wurde. Oder bei ihrem anrührenden „Ave Maria“ von Franz Schubert in lateinischer Sprache.
Applaus hätten auch die beiden Instrumentalsolisten Ivana Jenešová mit ihrem meisterlich gespielten Oboen-Konzert von Alessandro Marcello verdient. Und nicht minder der Solo-Cellist Matthias Bantay u.a. für Muffats-Arioso, das wundervoll interpretierte Fauré-Cello-Werk „Aprés un rêve“ und ebenso für das moderne jüdische „Gebet“ von Ernest Bloch.
Wie die Jehmlich-Orgel zum zarten Begleiten, aber auch stürmischen Erklingen als Soloinstrument gebracht werden kann, das hat Uwe Hanke mit Bravour in diesem Konzert erneut unter Beweis gestellt. Sowohl den Bach-Choral als auch Brahms und Mendelssohn bot der ansonsten Chordirektor des Annaberger Winterstein-Theaters in ergreifenden Interpretationen.

Stürmischen und langanhaltenden Applaus erhielten dann doch noch alle Mitwirkenden und insbesondere der Leiter, Inspirator und Organisator dieses durchaus wiederholungswürdigen Konzertes in größerem Rahmen – Benno Tietz, der nicht nur ein ökumenisches Klangerlebnis über die Programmgestaltung vermittelte, sondern auch die Musik und den Gesang damit zu einem ökumenischen (Oikumene = griech.: „bewohnte Welt“) Fest der wie auch immer Glaubenden, Suchenden, Zweifelnden und gänzlich Andersdenkenden werden lies...

red.

 

170 Jahre Heilig Kreuz in der Diaspora

.Plakat Allerheiligenkonzert 2014
Annaberg war nur 43 Jahre eine katholische Stadt, aber sie ist seit 475 Jahren protestantisch geprägt. Die Reformation in Buchholz (1524) und die in Annaberg (1539) hat zwar schrittweise zur Lutherischen Evangelisierung der beiden Städte und seiner Bürger beigetragen, Zeichen aus den katholischen Jahren sind jedoch bis heute markant vorhanden.
So sind die meisten Altäre und der Bilderschmuck in der von Bischof Johann VII. von Schleinitz 1519 geweihten St. Annenkirche, der katholischen Ikonographie entnommen. Es war ein Glück für diesen Bergmannsdom, dass hier die Reformation erst nach dem Tod des durchaus auch reformwilligen Katholiken und Stadtgründers Herzog Georg des Bärtigen einzog. Die 15 Jahre Verzögerung bewahrte Annaberg vor dem an anderen Orten einsetzenden Bildersturm und vor den Auswüchsen protestantischer Intoleranz.
Und da Georg der Bärtige, Anna, der Großmutter von Jesus, als Lieblingsheilige und bevorzugte Schutzpatronin für die Bergleute, sehr nahe stand, hat er nicht nur seiner Stadt und der größten Hallenkirche Sachsens ihren Namen verliehen und sich um ihre Reliquien bemüht, sondern sie auch im Wappen verewigen lassen: Das Bild der Anna Selbtritt mit Tochter Maria und Enkelsohn Jesus werden von Sonne, Stern und Mond überstrahlt, die ebenfalls ikonographisch für Jesus, Anna und Maria stehen. Aber auch in anderen Städtenamen des Erzgebirges ist deren katholische Herkunft noch ablesbar wie z.B. Marienberg, Jöhstadt (eigentlich Joseph-Stadt), Joachimsthal (Joachim, der Großvater von Jesus). Wappen Annaberg
Die Reformation erfasste ca. 90% der damals lebenden Bevölkerung von Annaberg. Diejenigen, welche noch an ihre katholischen Glauben festhielten, versuchten ihn jenseits der Grenze, im Böhmischen, zu leben und die sonntägliche Messe, die Kommunion oder andere Sakramente sich dort zu holen. Solche Wanderungsbewegungen hielten bis Mitte des 19. Jahrhunderts an, wo zunächst noch lange Fußmärsche z.B. zu der katholischen Kirche in Chemnitz notwendig waren, bevor auch in Annaberg der Ruf nach einem eigenen Gotteshaus – insbesondere vorgetragen von Bischof Ignaz Bernhard Mauermann – laut wurde. Immerhin lebten 1843 im Einzugsgebiet von Annaberg über 750 Katholiken, wie eine Volkszählung ermittelte. Darunter waren etliche, die sich im Zuge der sich entwickelnden Industrialisierung des Erzgebirges auch aus katholischen Gegenden Deutschlands hier ansiedelten. Der Nachfolger und Bruder des Bischofs, Franz Laurenz Mauermann, schlug Annaberg als Standort für eine katholische Kirche vor.
Die Widerstände in der Stadtverwaltung müssen zunächst nicht gering gewesen sein, befürchtet man doch eine Infiltration des Papsttums und insbesondere die Verbreitung der Ideen der Jesuiten, die gewisse Wirkungen aus Böhmen heraus auch in unserer Gebirgsgegend erzielt haben dürfte, wie in einer anonymen Schrift aus dem Jahre 1845 unter dem Titel „Habt Acht! Oder: Die katholische Kirche zu Annaberg und die Gefahren des Protestantismus. Ein Sendschreiben an seine Glaubensgenossen zur Prüfung und Beherzigung von einem Freunde des Lichts und der Wahrheit“ zu lesen ist. Schließlich befanden sich im bereits im Jahr 1842 geweihten Altarstein u.a. auch Reliquien des Hl. Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens. Auch die beiden Nischen an der späteren Außenwand rechts und links vom Kirchen-Portal durften in einer protestantischen Gegend nicht mit katholischen Heiligenfiguren bestückt werden. Stattdessen wurden vor ihnen jeweils eine Linde gepflanzt.
Da auch etliche Kaufleute der Stadt Annaberg Katholiken waren, wollte man den Bauantrag nicht gänzlich ablehnen, beschied aber, dass dafür nur ein Grundstück vor der ehemaligen Stadtmauer in Frage komme. So stellten die Annaberger und Buchholzer Kaufleute Lehritter, Nepomuk und Swoboda entsprechenden Baugrund in der heutigen Mariengasse 11 und die Stadt ein Grundstück gegenüber am Schutzteichgelände zur Verfügung, wofür sich Bischof Mauermann dann auch in seiner „Geistlichen Rede“ zur Kirchweihe artig bedankte, nachdem sich die Reformatoren vier ehemalige katholische Kirchen in Annaberg einverleibt hatten: „Was aber vorzüglich noch von der verehrten Behörde der Stadt Annaberg laut gerühmt zu werde verdient, ist, daß sich dieselbe bereitwillig befinden ließ, einen schicklichen und anständigen Platz zum Bau einer katholischen Kirche für dankbare Bezahlung abzulassen“.
Ursprünglich sollte die Kirche dort errichtet werden, wo sich heute das Pfarrhaus befindet. Der Ausbau des ehemaligen Wohnhauses, das bereits 1837 abgebrannt war nur als Ruine existierte, wäre zu aufwändig und zu teuer für einen Kirchenbau gewesen. So entschied man sich für den Bau der kleinen katholischen Kirche gegenüber, der bereits unter der Bauaufsicht des neuen Pfarrers Josef Hoffmann stand, den Bischof Mauermann nach über 300 Jahren Abwesenheit katholischer Seelsorge in Annaberg hier einsetzte und der erst 1851 von Hubertus Titlbach abgelöst wurde.
Innerhalb von weniger als zwei Jahren war der Kirchenbau errichtet, so dass dieser am 20. Oktober 1844 vom Apostolischen Vikar des Königreiches Sachsen, Bischof Franz Mauemann, dem „Heiligen Kreuz“ und der „Allerseligsten Gottesmutter“ geweiht werden konnte und zunächst (bis 1849) als Filialkirche von Chemnitz galt.
Mit der weiteren Industrialisierung des Erzgebirges wuchs auch die Zahl der Gemeindemitglieder stetig bis etwa Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts auf fast 1.800 in Annaberg-Buchholz, was insbesondere auch mit der Vertreibung vieler katholischer Deutscher aus Böhmen nach 1945 in das sächsische Erzgebirge zusammenhängt.
Zu DDR-Zeiten gingen die sonntäglichen Kirchenbesuche kontinuierlich zurück. Eine Tendenz, die auch nach der politischen Wende inmitten der Diaspora nur kurzzeitig  aufgehalten werden konnte, während das Gemeindeleben an Vielfalt gewann und einen ihrer Schwerpunkte in der Arbeit mit der Jugend sieht, zumal die demographische Entwicklung im Erzgebirge auch um die Hl.-Kreuz-Kirchgemeinde keinen Bogen schlägt.
Mag sein, dass auch negative Erfahrungen in der Vergangenheit mit einzelnen Priestern oder die neuerlichen Skandale in katholischen Bistümern sowie die mitunter unzeitgemäßen Doktrinen vor Papst Franziskus mit zur Reduktion der Gemeinde beigetragen haben. Das immerwährende Engagement der Gemeindemitglieder für die Schwächeren und Armen in unserer überreichen Gesellschaft ist uneingeschränkt präsent. Der Einsatz von Katholiken im Stadtparlament, in Schulen sowie in der ehrenamtlichen Arbeit auch außerhalb der Gemeinde ist nicht nur lobenswert, sondern behebt auch staatliche Defizite - insbesondere im sozialen Bereich. Das Alten- und Pflegeheim St. Annen soll hier nur als eines von vielen Beispielen angeführt werden, das allerdings einer gesonderten Betrachtung wert wäre.Kath. Kirche
In den 170 Jahren ihres Bestehen hat das kleine Kirchlein oben am Schutzteich zahlreiche Veränderungen, Ergänzungen, Um- und Anbauten erfahren. So wurde erst 1912 die Sakristei errichtet (1978 Abriss und Neubau), davor zogen sich Priester und Ministranten im Pfarrhaus um. Am Heiligen Abend 1920 erklang um 18 Uhr zum ersten Mal das Geläut einer Glocke (ab 1986 elektrisch), wo im Jahr zuvor ein Dachreiter und später ein Türmchen errichtet wurde.
Es soll zwar von Anfang an eine Kohlen-Dampfheizung gegen haben, die aber den kalten Wintern nicht gewachsen war und deshalb 1925 von einer neuen Niederdruckheizung sowie 1974 von einer Elektroheizung abgelöst wurde. Die einfachen Glasfenster wurden erst 1942 durch farbige ersetzt. Eine Generalsanierung der Kirche erfolgte zu tiefsten DDR-Zeiten in den Jahren 1981-1983: Der gesamte Innenraum der Kirche wurde renoviert, dabei ist der Grundstein geöffnet worden, das Portal wurde neu gestaltet, die Stufen begehbarer gemacht und mit Haltestangen versehen, eine neue Treppe zur Sakristei wurde gebaut und ein neuer Außenputz mit Schutzfarbanstrich wurde aufgebracht. Auch das Altarbild erhielt einen neuen goldenen Rahmen. Es ist vom sächsischen Hofmaler Carl Christian Vogel von Vogelstein (1788-1868) um 1840 geschaffen worden und stellt den Heiligen Joseph von Calasanza dar.

Am 20. Dezember 1981 weihte Bischof Gerhard Schaffran den neuen Altar und den renovierten Innenraum erneut. In den Jahren 1984/85 nahm man sich dann den Pfarrgarten vor, in dem meist die
Fronleichnamsprozessionen endeten. Der ehemalige Pavillon wurde durch ein zweckmäßiges Gartenhaus ersetzt, in dem sich heute einer der wohl schönsten erzgebirgischen Weihnachtsberge mit Krippe befindet. Aber auch der Garten selbst wurde rund um die Kirche erneuert.
Ein Höhepunkt dürfte dann die Weihe der neuen Jehmlich-Orgel am 11. Oktober 1992 gewesen sein, die seit dem nicht nur zum reinen katholischen Gotteslob erklang, sonder auch ihren ökumenischen Beitrag in kleinen und größeren Konzerten leistete, wie z.B.
Weihnachten 2013 oder dann wieder am 1. November 2014, wenn die Gemeinde um 16 Uhr zu einem Festlichen Konzert anlässlich der 170. Kirchweihe von Heilig Kreuz auch all diejenigen einlädt, die darum wissen, dass Gott nicht nur katholisch ist oder sich als Zweifelnde, Andersdenkende oder im Goethischen Sinne - schlicht als Menschen eines wie auch immer entstandenen Kosmos - an „göttlichen“ Klängen laben wollen...  (G.B.S.)

Orgelkonzerte in der Hl.-Kreuz-Kirche an der Jehmlich-Orgel:

Sonntag, 4.1.2015: Kantor Matthias Böhm, Chemnitz

Freitag, 5.2.2015: KMD Michael Formella, Gera