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Weihnachtsklänge bringen wieder...
Die Erzgebirgs-Weihnacht im Gedicht
In keinem anderen Land der Erde - und auch in keinem anderen deutschen Bundesland - wird die Weihnachtszeit so intensiv begangen, besungen und auch verklärt wie im deutschen Weihnachtsland, dem Erzgebirge. Und so spiegeln auch die Erzählungen, Gedichte und Lieder anschaulich diese besinnliche Zeit wider. Die hier folgenden (mitunter gekürzten), stellen eine Auswahl von Gedichten dar, die sich alle mit Weihnachten befassen - in Hochdeutsch und in Mundart. Der Bogen reicht vom „Hannel sei Weihnachtslied" übers "Heiligobndlied" der Amalie von Elterlein um 1799 bis in die Gegenwart um 1991 mit Manfred Pollmers „Weihnacht im Arzgebirg“ oder von Peter-J. Hentschel aus Dresden (2016). Das Gedicht „Weihnachten“ von Ilse Jahreis aus dem benachbarten Vogtland habe ich wegen seiner schlichten Schönheit und der Nähe zum Erzgebirge mit aufgenommen. Ganz bewusst habe ich auch vier Weihnachtsgedichte von Arthur Schramm, dem Annaberger Heimatdichter und Erzgebirgs-Original, aus den Jahren zwischen 1933 und 1951 hier veröffentlicht, um zum einen das Klischee vom angeblich nur dummen Sprücheklopfer zu widerlegen, aber anderseits auch seinen Wandel per Anpassung an die jeweiligen politischen Verhältnisse in seinen Gedichten aufzuzeigen. Wenn mir die Leserinnen und Leser weitere Weihnachtsgedichte anderer Poeten aus dem Erzgebirge zusenden würden, könnte ich diese Seite weiter vervollständigen. Ein Anfang ist jetzt gemacht:
Peter-J. Hentschel, Dresden (2016)
Unner Weihnachtszeich
Vier Wochen vür dr heilign Nacht dr Vodr offn Budn macht un läßtrt ro dann aah sugleich de Pappkartongs mit Weihnachtszeich. In erschtn sei de Nußknacker drin, in zweetn Schwibbugn, Baamschmuck, Lichterspinn, in drittn Peremett, Raacherma, Engeln, in viertn Mannle üm de Spieldus drängeln.
Itze stiehe se in Treppenhaus un dr Vodr packt se dr Reih nooch aus. Ne Stund, maant’r, dauerts Rauszetu, ne Stund es Hiestelln, noort host de Ruh. Wuhlgemerkt, dos hot’r agenumme. Hernochorts is es annersch kumme.
Wie’r nu rausnimmt Stück fer Stück, denkt’r grußmachtigs Ugelück: Ne Striezlgung sei Ümgehäng is wag, ’r suchts wie’n biesn Pfeng. De Striezlmad kom aah ze Schodn: Es Mehrschde fahlt in ihrn Lodn. Ben Oberfarschter Bart un Haar sei Mottnkahlfroß guttegar. De Spieldus is eweng verzugn un dreht när langsam ihrn Bugn. Vier Mannsen aus der Bargparade, sei nooch dr Sommerpaus malade. Ben Obersteiger fahlt de Hack, ben Bargadjunkt dr Schwanz von Frack, ben Lechterengel enne Till, dr Schwibbugn net racht stiehe will, de Knappschaftsfahstang is ganz krumm un ogeknickt is‘s Bumberdum. Do haaßts, hul mol ne Leimtopp rei, dos Zeich muß reperiert warn glei.
Dos Baaml nebn dr Kammertür nimmt sich sei Fraa allaane vür. Mit Klippelstarle, salbstgemacht, gibt se ne racht schie Glanz un Pracht. Arscht wenn die nagerichtet sei, zieht Weihnachtsstimming bei ne ei.
Is lang dr Heilge Obnd do, noort zünd mr alle Karzen o un lossen ihrn halln Schei racht tief in unnre Harzen nei. Täts aah noch schneie bis dohie, wär Weihnacht noch emol su schie.
Nooch alter Sitt ze Huhneigahr hot Feierobnd de Engelschar. Dr Vodr packt wie‘n ruhes Ei geds Mannle in senn Kastel nei. Ruh hot’r arscht, wenn gede Kist dann wiedr offn Budn is. Wie dos Stück Arbet war vollbracht, hot'r su fer sich hie gedacht: An Heiligohmd kaa Fünkle Schnie, dos mog zer Nut schu emol gieh, doch Weihnacht uhne Peremett, Christbaam un Mannle gieht fei net.
Peter-J. Hentschel, Dresden (2016)
Wenn is Raachermannl net nablt
Wos nützt dr schennste Raachermaa, wenn dar net racht schie nabln ka. Manch aaner is vor lauter Kunst als Raachermannl glatt verhunzt. Oft tut mr siech in enn verguckn un markt ze spöt arscht seine Muckn. Ar is ze eng, ne fahlt dr Zug, un s Karzl kriegt net Luft genug. Astatt soot Ringle glei zu paffn, macht’r mit Ausgieh dir ze schaffn. Bluß Raacherheisle ganz aus Blach ersparn enn fei sett’s Ugemach. Die nabln lus, es is ne Pracht, kaum doss de se host zugemacht. Bei’n riechts nooch Weihrich odr Tannl un net nooch ogekuhltn Mannl.
Möchtst de ben Rachern Stress vermeidn, musst de schu vür ne Kaaf entscheidn, wozu de willst dan Raachermaa: zen Nabln odr Azesah.
Christian Gottlob Wild (1785 Johanngeorgenstadt - 1839 Breitenbrunn)
Ne Hannl sei Weihnachtsliedel (um 1815)
Schwenzelenz! Heit bi ich fruh, s war lange Zeit net su! Will heit Teebesch machen. Kinner, ich ho Gald wie Hei, s könnt lecht zwee Toler sei: Ja, drüm ka ich lachen!
Satt dos Heilingobndlicht a! S sei fei rute Blümle dra Un e klaans Gesprüchel. Ho zwee Grosch derfür bezohlt, salber su schie agemalt!
Noochert will ich hutzen gieh, heit beschern ne Kinnern schie! S is ja heit Bornkinnel! Kumme a de Maadln nooch – Bi dan Maaden gut mei Tog, s is e lus Gesinnel.
Gute Nacht derweil, ihr Leit! Weckt mich morgn ze rachter Zeit! Früh giehts in de Metten! Wenn mer su de halbe Nacht Hot fei lustig zugebracht, kriecht mer in de Betten.
Mehr Gedichte dazu auch in meinem Buch ”ERB-Gerichte - Vom Essen und Trinken im sächsisch-böhmischen Erzgebirge - Eine genussreiche Kulturgeschichte mit vielen Rezepten”, (Autor: Gotthard B. Schicker, 250 Seiten, reich illustriert, 14,95 Euro). Bestellungen - hier
Johanne Amalie von Elterlein, geb. Benkert (1784 Annaberg - 1865 Schwarzenberg)
Heilingobndlied (um 1830) (weiter Informationen dazu - hier)
Heit is dr Heilge Obnd, ihr Maad, kummt rei, mer gießn Blei; Rik, laaf geschwind zer Hanne-Krist, die muß beizeiten rei.
Ich ho menn Lächter agezündt, satt nauf ihr Maad, die Pracht! Do drübn bei eich is´s aah racht fei, ihr hatt e Sau geschlacht.
Satt a, ihr Maad, dos rare Licht Fer zweeazwanzig Pfeng, ich muß meins in e Tippel stelln, mei Lächter is ze eng.
Kar, zünd e Weihraachkarzel a, doß´s nooch Weihnachten riecht, un stell´s hi of dan Scherbel dort, daar unterm Ufn liegt.
Lott, dortn of dr Hühnersteig, do liegt men Lob sei Blei; Mad, rafel när net su dort rüm, sist wird de Krinerts schei.
Denn´s Masvolk hot sei Frahd an wos, sei´s aah, an wos när will; mei Voter hot´s an Vugelstelln, dr Kar daar hot´s an Spiel.
Iech gieß fei erscht, wan krieg ich do? Satt a, enn Zwackenschmied. De Karli lacht, die denkt wuhl gar, ich maan ihrn Richter-Fried?
Mer haben aah sachzen Butterstolln, su lang wie de Ufenbank; heit wird emal gefrassen waar, mir waarn noch alle krank.
Max Wenzel (1879 Ehrenfriedersdorf - 1946 Chemnitz)
Schneelied (1928)
Dr Harbest kam, müd´ legt de Ard sich nieder, wild gescht dr Sturm de Blattle har un hie: stumm stieht dr Wald, verklunge sei de Lieder, wos grün un schie war, mußt su schnell vergieh. Un wie nu alle graa un trüber werd, do dauert unnern Herrgott seine Ard - un sanft un waach fällt aus dr Himmels Höh su licht un weiß dr liebe Schnee.
Un wie de erschten Flocken falln vom Himmel, do haltens Gunge, Maadle nimmer aus; su schnell wie´s gieht in lustigem Gewimmel giehts aus dr Stub ins Flockenwerbeln naus. Ball is e Schneeballschlacht aah schie in Gang, en Ruschelschlietn brengt dort aner lang, un Näß un Kält, die tune heit net weh, ringsümedüm do jubelts: Schnee!
E manichs Alte sitzt in Ufnwinkel un guckt zerick of seine gunge Gahr, wu Näß un Kält an schoden konnt kä Fünkel un wie mer wie verwerrt ofs Ruscheln war. Doch itze sitzt mer dra an Ufentopp un sieht in Speigel ner sen alten Kopp, do werd mersch weiß, do drum, o Jemine, liegt aa die Himmelsgab: dr Schnee!
De Ruschlbah, die is ze allen Stunden aa fir de Lieb e rachter schiener Platz: es dauert net lang hoot mer sich gefunden, un ofn Schlieten sitzt mer mit sen Schatz. Dos Madl hält sich zoghaft an en aa, dr Schlieten saust ne Barg ro, wos´r kaa. Of emol is mer of sen Sitz ellä, dr Schatz is wag, - dar liegt in Schnee!
Heinrich Jacobi (Montanus) (1854 Schneeberg - 1916 Schneeberg)
Vür Weihnachten (um 1902)
Nu horcht ner, wie dr Loden knarrt Un klappert su vun Wind. Hennt draußen stöberts, s hot e Art, dos wird e Winter, Kind! S ka nischt schoden, besser is Dos doch als Matsch un Drack, un wenn dr Schnee wenig größer is, do giehter net glei wag.
Nu´s wird aah Zeit, Wenachten is Schu wärrlich vür dr Tür, wenn iech dra denk, kimmt mersch gewiß gar net wie möglich vür. Fraa, sog mer när, ob de olber bist, dohiere trittst rüm, hast nischt ze tu fürn Heiling Christ? Do kümmer dich doch drüm! (...)
Arthur Schramm (1895 Annaberg - 1994 Annaberg-Buchholz)
Christi Geburt (20. Dezember 1933)
Und wieder hält mich ganz gefangen Das Wunderbild der Heilgen Nacht. Mein sehnend Herz trägt groß Verlangen, Nach IHM, der nächtlings welt-erwacht.
All meine Sinne werden rege; der suchende Gedanke spinnt, daß Gott auch mich aus Gnaden segne, durch dieses liebe Christuskind.
So steht sein Bild mir vor der Seele; Anbetend sink ich in die Knie. Mein Jesulein! Ich Dich erwähle In reinster Lieb und Harmonie.
Das aller Welt zum Heil gekommen, Von Sünden ledig werden läßt. Wer dies – gleich mir – ernst aufgenommen, Kann fröhlich feiern Weihnachtsfest!!!
Arthur Schramm
Arzgebirgische Weihnachten (17.12.1941)
Wenn de Nocht zen Tog gemacht, wird gebastelt un gewercht, wenn de selbstgeschizte Pracht In Versteck wird neigepfercht, wenns su haamlich weit un breit, nochert kimmt de Weihnachtszeit.
Wenns bei uns eischneie tut Un de Art do drubn wird weiß, dann liegts gung un alt en Blut: Blüht bal wieder junges Reis. Wenn de Christbaam erscht sei da, Nocher kimmt Weihnachten raa.
Wenn dr Christ in en erwacht, daß mer sich wird racht bewußt, wos geschah in heilger Nacht, regt sich Fried tief in dr Brust. Wenn dr Mensch sen Gott kimmt nah, nochert is es Christfest do.
Dann schenkt Lieb, herrscht Lust und Freed, Lichter strahlt in de Harzn nei. E Stück vun dr Seligkeet Zieht als Frieden in en ei. Wu dr Mensch zun Mensch sich find, dort is aah es Christuskind!
Arthur Schramm
Kriegsweihnachten 1944 (26.12.1943)
So klar wie in der Heilgen Nacht Die Stern am Himmel gehen So fest und treu, auf heilger Wacht, wird unsre Wehrmacht steh. Beschützen was ihr anvertraut, ureignes deutsches Land; bis Gott der Herr vom Himmel schaut... des Sieges Unterpfand.
So hell, wie´s in den Herzen ist, da mittendrin gewohnt, so wenig wird – trotz Feindeslist – das deutsche Volk entthront. Ziehn Not und Tod auch jetzt durchs Land, weihnachtet es doch sehr; das macht, wir sind in Gottes Hand. Gott gab uns Kraft und Wehr!
So wahr der Nacht stets folgt das Licht Im Wechselspiel der Zeit, so lebt, wenn auch in harter Pflicht, Deutschland in Ewigkeit! So gehen wir glaubensstark mit Gott Als e i n e Kämpferschar Lichtvoll hinein – trotz Brand, Not und Tod – In das Erfüllungsjahr!
Glückauf! Sieg Heil! Heil Hitler! Arthur Schramm
Arthur Schramm
Weihnachtsfrieden (27.11.1951)
Weihnachtsklänge bringen wieder Weihnachtsfrieden in das Land. Alte, traute Weihnachtslieder Knüpfen neu der Liebe Band.
Und es geht ein leises Raunen Über Mutter Erde hin, frohe Kinderaugen staunen, fassen kaum der Liebe Sinn.
Weihnachtsfrieden sei beschieden, allen Menschen, groß und klein, Glocken klingen: „Frieden!“, „Frieden!“ Läuten her ins Herz hinein.
Weihnachtsklänge froh erschallen, Fried und Freud für jedes Herz! Aller Welt zum Wohlgefallen, weil die Lieb kam erdenwärts.
Karl Hans Pollmer-Geyer (1911 Herold - 1987 Dresden)
Weihnacht (1947)
Lauter klaane Lichter Sei nu agebrannt, un se lechten un se flimmern, dos se hall un goldig schimmern, un es glänzt es ganze Land.
Lauter klaane Lichter Machen uns su fruh. Von Weihnachten tu´se singe, Glück un Friede tu´se bringe, un es Harz, dos fraht sich su.
Lauter klaane Lichter – Blebbt fei agebrannt! Is Weihnachten aah vergange, blebbt de Walt doch lichtbehange, un es glänzt es ganze Land.
Ilse Jahreis (1921 Netzschkau - 1992 Schöneck)
Weihnachten im Vuegtland (1955)
Weihnachten im Vuegtland, Weihnachten derhamm, dr Torm tutt sich drehe, mer sitzen besamm, de Aagn tun leichten, de Herzen san frueh, es klingt wie Weihnachten, un´s riecht aahesue. Mer feiern, drüm sei mer Heit alle besamm, Weihnachten im Vuegtland, Weihnachten derhamm.
Martha Weber (1904 Wiesa/Erzgebirge - 1998 Lützschena)
Schöne Weihnachten (1994)
Es fallen ganz zärtlich und leise die Flocken vom Himmlichen Zelt und landen in blendender Weiße auf der frostumgürteten Welt. Scheu setzen die hauchzarten Sterne sich nieder auf Felder un Dom, verdecken die Nähe und Ferne und blassgrün schimmerndes Korn.
Die Bäume sind bärtige Wächter, bis über die Augen vermummt, des Wildbaches Sommergelächter ist anfangs November verstummt. Die Stille der waldigen Tiefe erschüttert das suchende Herz, ich wünsche ein Hähermann riefe oder Christkindchen weihnachtswärts...
Manfred Pollmer (1922 Geyer - 2000 Geyer)
Weihnachten im Arzgebirg (1991)
Weihnachten im Arzgbirg – wie klingt dos schie! War bluß dra denken tut, dan is es wie, als schnuppert er Weihrichduft in seiner Nos, als schmecket er Stolln und gebratene Hos, als säß er an Heilign Obnd ben Neinerlaa, als könnt er dan Lichterglanz ümedüm sah, als säch er in Fanster es Bargmannl stieh un Engel un Terk un de Peremett gieh, als häret er Blosen von Turm un von weiten vu irgndwuhar hall aah de Kirchnglocken laiten, als säch er ne Wald un de Haisle verschneit un Sterle ubndrüber wie e Schwibbugn su weit... Weihnachten im Arzgebirg, hast kaum gedacht, un schu hot vür Fraad dir es Herz gleich gelacht!
Martin Hermann (1899 Freiberg – 1975 Freiberg) Sohn eines Schneiders, Lehrer in Freiberg,
Lied vom Butterstolln
Mei Fraa, die is ben Bäcker, mer hobn fei wieder Stollnbackzeit! Üm fümfe rasselt dr Wecker - heit backen gar viele Leit! Miech hot se aah miet rausgehaa - wu ich doch gar kenn assen ka. Mer hot su seine Nut! Stolln, ei Stolln, heit obnd könn´ mer sche huln!
Mer hobn zwölf Stolln gebacken, fei schwarer asl es Sechspfundbrut! Iech mußt de Manneln knacken, mit Manneln schmeckt er gut. Von unnern Baam ben Wasserloch - ne Pflaummus hobn mer extra noch, dan chmier mer ofn Brut! Stolln, ei Stolln, war werd dä da kenn wolln?
Bei uns sei se viel besser als wie de Stolln wuannersch sei, viel höcher un viel grösser - mir tu viel Mahl miet nei! Dos Math derwagn senn richting Grund: Mit Mahl, do sei de Stolln gesund, un mir dernoochert aah! Stolln, ei Stolln, war werd kenn setten wolln?
Dr Stolln werd ageschnieten an erschten Weihnachtsfeiertog. Erscht werd e weng gestrieten, weil kaaner´s Ranftel mog! Noort tunk mer Stolln in Kaffee nei - dos soll fei uastännig sei - ihr uastännign Leit! Stolln, ei Stolln, es gieht nischt über Stolln!
Mol hatt mer enn vergassen, dan hobn mer fei in nächsten Gahr - er war noch gut – gegassen, an – erschten Ganuar! Un is de gute Stollnkist leer, guck mer, wu noch e Ranftel wär - es Rastel Weihnachtszeit. Stolln, ei Stolln, könnt mer´n erscht wieder huln!
Edmut Kluge (1933 Goldap – lebt in Zschorlau) Kaufmännischer Angestellter, Rentner, Autodidakt im Schreiben seit 1963, mehrere Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen.
Stollnlied
Wenn´s draußen stürmt un wattern tut, noochert is hinne schie. De Ufnplatt, die lecht su rut, un kaans will hutzn gieg. Wos hatt ihr dä of eiern Kopp? Heit obnd gieht´s Backen lus. Dr Taag stieht ofn Ufntopp, dos werd kaa Hefnkluß.
De Manneln sei geschnappt, gewugn, dos klaane Flaschl Rum hobn de Rosining aufgesugn. Nu mach när, Mutter, kumm! De Zitronat muß aah noch nei, inu, vergaß fei nischt! Dos Zeig, dos werd ball alle sei, ich hob ne Gung erwischt.
Riecht när dan guten Stollenduft, dar lieblich zieht durchs Haus. Do liegt Weihnachten in dr Luft, un ich halt´s nimmeh aus. Mich brängt ball is Gelängel im, ich kost ze garn e Stück, Bei meiner Fraa, dos is fei schlimm, do hab ich gar kaa Gelück.
Hatt när kaa Sorg, ich mach´s esu, do was ich, wos ich sog. Is gieht mit rachten Dinge zu. Ich half halt e wing nooch; „Fraa, guck, dar Stolln, dar hoot enn Riß! Ich bi dos net gewasen. Un wann´r aamol zerbrochen is, muß mer ne aah gleich assen.“
Wie mer vun früher reden härt, bedeitet dos ne Leich, wann nooch´n Backen e Stolln zerfährt. War redt dä heit sett´s Zeig? Dos war när su e dumms Gemahr, geh mit de alten Leit! Ich mach dos nu schu gedes Gahr, un satt, ich laab noch heit.
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Mehr Gedichte dazu auch in meinem Buch ”ERB-Gerichte - Vom Essen und Trinken im sächsisch-böhmischen Erzgebirge - Eine genussreiche Kulturgeschichte mit vielen Rezepten”, (Autor: Gotthard B. Schicker, 250 Seiten, reich illustriert, 14,95 Euro). Bestellungen - hier
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